Auf den „Weg des Friedens nach Franz von Assisi“ nahm Dekanin Dr. Nina Lubomierski die Zuhörer mit bei ihrem Vortrag im ev. Gemeindezentrum Arnstorf zum Abschluss der Veranstaltungsreihe zum 800. Todestag des Heiligen. Zu Beginn ihrer Ausführungen gab sie den Anwesenden, darunter auch Pfarrer Michael Osterholzer von der kath. Pfarrei und Pfarrer Robert Schön von der ev. Kirchengemeinde, einen Überblick über das Leben des Heiligen. Um das Jahr 1180 geboren, lebte Franziskus in der Gegend um den Ort Assisi in Mittelitalien. Über seine Taten und Worte gibt es umfangreiche Überlieferungen. Auch wenn so manches mit der Zeit legendenhafte Zuge annahm, sind die meisten Angaben doch historisch zuverlässig.
So ist Franziskus bekannt für sein Leben in Armut in konsequenter Nachfolge von Jesus Christus. Auch baute er im wörtlichen Sinne Kirchen wieder auf und sorgte auch im übertragenen Sinn für den Bestand der Kirche, indem er die Unterstützung des Papstes suchte und erhielt. Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens war das Leben im Einklang mit Gottes Schöpfung. Beispiele dafür sind das unter dem Namen „Sonnengesang“ bekannte Gebet - die Vorlage für das Lied „Laudato si“ - sowie seine Predigt vor den Vögeln. Außerdem setzte er sich für Frieden ein, nicht nur mit der Schöpfung, auch zwischen Menschen, Völkern und Religionen; so mit seiner Reise nach Ägypten zum Sultan der Muslime, als sich diese und christliche Kreuzritter kriegerisch gegenüber standen. Und nicht zuletzt wurde seine Weihnachtsfeier mit lebendigen Tieren zum Vorbild für die Krippenspiele, die seitdem zum Fest aufgeführt werden.
In besonderer Weise wandte die Rednerin sich dann dem Wirken des Franziskus für den Frieden zu. Franziskus verstand Frieden nicht als Zustand, sondern als Beziehungsarbeit, die er auf drei Weisen für den Alltag entfaltete:
Die erste ist Frieden mit sich selbst: In Einfachheit des Herzens lebten Franziskus und seine Anhänger, die Brüder. Das zeigte sich besonders darin, dass sie nur die nötigste Kleidung besaßen, um ihr Essen bettelten und sich keine feste Unterkunft schufen. Gerade das letztere gewinnt vor allem für die evangelische Kirche in der Gegenwart an Bedeutung, wenn es darum geht, den kostenaufwendigen hohen Bestand an Gebäuden auf ein angemessenes Maß zu reduzieren, sagte die Dekanin.
Das zweite ist Frieden mit den Mitmenschen, der sich zeigt im Teilen, Gastfreundschaft und dem ehrlichen unvoreingenommenen Zugehen auch auf Andersgläubige (Hier besonders das Wirken des Franziskus unter den Muslimen). Heil und Frieden sind nahezu deckungsgleich. Wer den Frieden verkündet, muss ihn sich zunächst selbst von Gott schenken lassen. Dazu sagt Franziskus: „Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verkündet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt.“
Und als drittes Frieden mit der Schöpfung: Franziskus sah in der Natur Gottes Schöpfung und begegnete Tieren und Pflanzen mit tiefem Respekt. Diese Überzeugung fasste er in sein wohl bekanntestes Textzeugnis, den „Sonnengesang“ – von ihm genannt „Loblied der Geschöpfe“, dessen zweite Strophe lautet:
„Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.“
Zum Schluss fasste die Rednerin die Aussagen des Franziskus so zusammen: „Frieden ist kein großes politisches Werk, sondern ein Weg der kleinen, täglichen Schritte.“ Genau diese ist Franziskus in aller Ehrlichkeit und Bescheidenheit gegangen – ein Leben und Wirken, das auch über 800 Jahre später Menschen anrührt und anregen kann, es ihm gleich zu tun.
